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Eine Sprache des Lebens: Gewaltfreie Kommunikation

11. November 2013, 0 Kommentare

Heute ist mir das Hörbuch „Gewaltfrei Kommunikation – Eine Sprache des Lebens“ in die Hände gefallen. Vor vier Jahren hatte ich ein Seminar zu dem Thema und auch in meinem Kommunikationsstudium wurde im Rahmen des kreativen Problemlösens die Gewaltfreie Kommunikation angesprochen. Da ich diese Art der Kommunikation so positiv in Erinnerung habe, möchte ich hier vereinfacht erklären, worum es bei Gewaltfreier Kommunikation (GFK) geht.

Da ich mich als friedvollen Menschen bezeichnete, konnte ich anfangs mit gewaltfreier Kommunikation nicht viel anfangen. In der Zwischenzeit, wo ich mehr darüber weiß, würde ich sie auch lieber „wertschätzende“ Kommunikation nennen (hört sich besser an, da „gewaltfrei“ negative Assoziationen weckt). Begründer der Gewaltfreien Kommunikation ist Dr. Marshall B. Rosenberg, ein international bekannter Konfliktmediator. Er promovierte 1961 als klinischer Psychologe und ist mittlerweile im Ruhestand.

Der Friedensnobelpreisträger Ghandi vertrat die Meinung, dass ein Konflikt mehr das Ergebnis gegenseitigen Missverstehens von Bedürfnissen ist, als eine unüberbrückbare Differenz zweier Parteien. In Anlehnung daran, ist es Rosenbergs Anliegen, die eigenen sowie fremde Bedürfnisse zu erkennen und dementsprechend empathisch zu kommunizieren. Der Schwerpunkt liegt darin zu eruieren, warum Kommunikation schief geht. Rosenberg hat daraufhin eine Methode entwickelt, mit der es auf wunderbare Weise gelingt, konstruktiv und authentisch zu kommunizieren (zu dieser Methode später).

Grundannahmen der Gewaltfreien Kommunikation
Grundpfeiler der Kommunikation liegt lt. Marshall B. Rosenberg in der Empathie (= Mitgefühl, Einfühlungsvermögen). Als Symbol für empathische Kommunikation wird in der GFK die Giraffe verwendet. Die Giraffe repräsentiert die innere Haltung und die Sprache, die diese Haltung unterstützt (u.a. auch Sprache des Herzens, einfühlsame Kommunikation genannt).

Das Gegenstück dazu ist lebensentfremdende Kommunikation, die aus Bewertung bzw. Verurteilen, Interpretieren, Vorwürfen, Druck, Forderungen und Schuld entsteht. Das Symbol dafür, ist der Wolf.

Beispiele für die Wolfssprache:
„Wir fahren jetzt nach Hause.“ Befehlen, anordnen
„Wenn du nicht aufhörst zu weinen, bekommst du Hausarrest.“ drohen, warnen
„Eine gute Ehefrau wäscht die Wäsche rechtzeitig“ moralisieren, predigen
„Beweg dich mehr an der frischen Luft, dann geht es dir besser.“ Ratschläge erteilen
„Das habe ich nur gemacht, weil du es gesagt hast.“ Verantwortung leugnen
„Du bist faul.“ Wertung

Hinter dieser Form der Kommunikation stehen unerfüllte Bedürfnisse, die allerdings oft schwer wahr zu nehmen sind. Rosenberg nennt sie lebensentfremdende Kommunikation, da mit dieser Sprache Menschen blockiert und verletzt werden können.

Der GFK-Prozess
Um aus den Sprachgewohnheiten des Wolfes auszusteigen, bietet die GFK vier Schritte. Diese beinhaltet immer die Sicht beider Seiten, die des Gegenübers und die eigene.

Du: Empathisch aufnehmen, wie du bist, ohne Beschuldigungen oder Kritik zu hören.
Ich: Ehrlich ausdrücken, wie ich bin, ohne zu beschuldigen oder zu kritisieren.

4 Schritte:

a) Beobachten (Zahlen, Daten, Fakten) und wertfreies Wahrnehmen einer Situation
„Wenn ich sehe, höre …“
„Wenn du siehst, hörst …“

b) Gefühle wahrnehmen/benennen
„Ich fühle…“
„Du fühlst …“

c) Bedürfnisse wahrnehmen/benennen
„… weil ich brauche/mir wichtig ist … „
„…weil du brauchst/dir wichtig ist…“
= Klar um etwas bitten, das mein Leben bereichern würde, ohne es zu fordern.
= Empathisch aufnehmen, was dein Leben bereichern würde, ohne irgendeine Forderung zu hören.

d) Bitte um konkrete Handlung
„Wärst du bereit, zu…?“
„Würdest du gern…?“

Es können daraus Sätze entstehen wie:
„Wenn a sehe, dann fühle ich mich b, weil ich c brauche. Deshalb möchte ich jetzt gerne d.“

Beispiel:
Wolf: „Du kommst immer zu spät! Auf dich kann ich mich nie verlassen“

Giraffe: „Ich warte seit einer halben Stunde am Treffpunkt (Situation) und ärgere mich (Gefühl), da ich die Zeit gerne sinnvoll nutzen möchte (Bedürfnis). Darum bitte ich dich, mir nächstes Mal Bescheid zu geben, wenn du die Verabredung nicht pünktlich einhalten kannst (Bitte).“

Zugegeben, das klingt sehr theoretisch. Doch auch wenn die Methode in der Praxis angepasst werden muss, geht es neben der Technik, ganz stark um die Bewusstwerdung eigener und fremder Bedürfnisse und Werte. Gesagt werden klare ICH-Botschaften und wichtig ist, empathisch zuzuhören um die Bedürfnisse des Gesprächspartners verstehen zu können. Dieses empathische Zuhören und wertschätzende Kommunizieren erfordert Übung und auch etwas Mut, sich dem anderen zu öffnen. 

Rosenberg ist in Krisengebiete gereist (u.a. Palästina, Israel Serbien und Ruanda) um Trainings in Gewaltfreier Kommunikation zu geben. Zudem gibt es speziell für Kinder eigene Konzepte von GFK.

Die Herausforderung der Kommunikation liegt meiner Meinung nach darin, dass beim Empfänger etwas anderes gehört wird als vom Sender gesagt wurde. Die Gewaltfreie Kommunikation bietet eine wunderbare Möglichkeit potentielle Konflikte in eine friedliche Sprache umzuwandeln.

 


Kategorie Kommunikation

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